Warum eine Initiative gegen den Verband hessischer Unternehmer (VhU)?

Der VhU ist Austauschforum und Lobbyorganisation der großen hessischen Unternehmen. Er bezeichnet sich selbst als „Motor für Reform und Standort“ und reichert seine Ideen zur – für die Unternehmen profitablen – Umgestaltung der Lebensverhältnisse in Hessen häufig mit sehr konkreten Konzepten an, die von der Politik umgesetzt werden sollen und häufig auch werden. Für den vom VhU veranstalteten hessischen Unternehmertag am 26.10. wird u.a. der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier angekündigt.

In der Betrachtung Hessens als Wirtschaftsstandort ist aber klar, was der Maßstab dieser Veränderungen ist: eine möglichst große Kapitalverwertung.

Wir stellen uns gegen diese bornierte Sicht auf die Welt. Nach wochenlanger Debatte um 5Euro mehr für Erwerbslose, Sarrazin, Atomkraftverlängerung und der sich abzeichnenden Krise bei kommunalen Sozialleistungen auch durch die Schuldenbremse, wollen wir für die linke Idee mobilisieren: dass nicht Unternehmensbilanzen, sondern die Bedürfnisse der Menschen Maßstab politischer Aushandlungsprozesse und gesellschaftlicher Veränderung sein müssen.

Wir, das sind Menschen, die nicht eingebunden sind in politische Gruppen, Gewerkschaften oder Parteien, und die sich trotzdem als links verstehen. Weil wir nicht eingebunden sind, haben wir wenig konkreter politischer Macht, die wir mobilisieren können. Es bleibt uns lediglich der Aufruf an die gesellschaftliche Linke, in politischen Gruppen, Gewerkschaften oder Parteien und außerhalb dessen, den eigenen Lebensraum als eben solchen und nicht als Wirtschaftsstandort zu betrachten. Wir wollen nicht in kämpferischen und zugleich hoffnungslosen Tonfall appellieren, an Moral, Klassenbewusstsein, Verantwortung gegenüber der Natur und so weiter. Aber wir wollen die Steilvorlage der hessischen Unternehmen, die damit außerordentlich gut die Fronten unserer Gesellschaft geklärt haben, aufnehmen. Nicht mehr und nicht weniger.

Wir würden uns freuen, wenn ihr zu der Demonstration am 26.10.10 in Wiesbaden kommt und vielleicht über entsprechende Mailinglisten darauf aufmerksam macht und Freundinnen und Freunde darüber informiert.

Es ist einfach so: grundsätzlich brauchen wir keine Unternehmen um glücklich zu sein, und auch keine Profite. Unsere Vorstellungen von einem besseren Leben und gesellschaftlicher Veränderung nach links werden angesichts historischer Niederlagen und eigenem Scheitern noch vieler Diskussionen bedürfen.

Aber es ist definitiv nicht so, dass wir mehr und intensiver arbeiten wollen. Wir wollen auch nicht noch mehr Flug- und Autolärm, weil es dadurch mehr Umsatz gibt. Wir finden es schlicht bescheuert, die Bildung von jungen Menschen als Investition in ihr Humankapital zu betrachten. Wir wollen nicht nur nicht die Kosten für die Finanzkrise auf uns abgewälzt sehen, wir wollen auch nicht die auch ohne Finanzkrise alltäglichen Kosten der kapitalistischen Wirtschaftsweise bezahlen: der Degradierung von Menschen zu Humankapital. Nicht nur im Betrieb, in Schule und Uni, oder auf dem Amt, sondern selbst noch an den (EU-)Grenzen, wo nachgerechnet wird, ob die Menschenleben für die Volkswirtschaft lohnend und damit der Rettung wert sind.

Wir meinen das Ernst: eine Einrichtung unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens (Arbeit, Bildung, Transport, Stadtplanung, Naturschutz, Kultur etc.) nach unseren Bedürfnissen ist uns wichtiger, als das Wohlergehen der hiesigen Unternehmen und des Wirtschaftsstandortes Hessen oder Deutschland. Dafür und nicht für konkrete Umsetzungsvorschläge oder privilegierte Wege dahin wollen wir mobilisieren.

Wir halten dem Schwadronieren über den Wirtschaftsstandort Deutschland/Hessen schlichtweg die linke Idee entgegen, dass die Menschen mit ihren Bedürfnissen der Maßstab in der Veränderung der Lebensbedingungen sein müssen. Die unternehmerische Phantasie, dass es den Menschen gut gehe, wenn es der Wirtschaft gut geht, ist theoretisch nicht haltbar, vor allem aber halten wir sie seit langem für empirisch widerlegt. Die Planung unseres Lebens nach Unternehmensbilanzen ist wahnwitzig. Einem zentralen Akteur der letzten Jahre bei der Entwicklung und konkreten Umsetzung immer neuer Pläne hierzu, dem Verband hessischer Unternehmer, dazwischen zu grätschen: das könnte ein Anfang sein. Ein Anfang für linke Handlungsperspektiven.

Denn wenn die Unternehmen zum großen ‚get-together‘ blasen, liegt es da nicht nahe zu einem großen ‚get-together‘ zu mobilisieren, für alle, die nicht Unternehmen sind?

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Mehr Informationen zu Initiatoren und Anmeldern der Demo („Sozialrevolutionäres und antinationales Krisenbündnis Frankfurt), deren Aufruf und geplantem Demoverlauf: http://krise.blogsport.de

Mehr Informationen zum Verband hessischer Unternehmer: http://www.vhu.de

Mehr Informationen zum hessischen Unternehmertag: http://www.hessischer-unternehmertag.de

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